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NAMUR-Hauptsitzung 2019
Enhanced Connetivity for Smart Production

vom 2019-11-29

Auf der 82. NAMUR-Hauptsitzung am 7. und 8. November 2019 und dem 70. Geburtstag der NAMUR ging es in diesem Jahr schwerpunktmäßig um das Thema Konnektivität. 650 Teilnehmer aus den Anwenderkreisen der Prozessindustrie sowie geladenen Gästen der Hersteller und Partner-Organisationen konnten erfahren, mit welchem technologischen Ansatz der Sponsor Phoenix Contact beim Motto „Enhanced Connectivity for Smart Production“ aufwarten konnte.

Zunächst eröffnete erstmalig Dr. Felix Hanisch (Bayer) als Vorsitzender der NAMUR die jährliche Veranstaltung. Den Vorsitz des Verbands der Automatisierer in der Prozessindustrie hatte er im Vorjahr als Nachfolger von Dr. Wilhelm Otten (Evonik) übernommen. In seiner Eröffnungsrede konnte er die NAMUR-Ehrenmitgliedschaft von Dr. Matthias Fankhänel bekanntgeben, der im Laufe des Jahres bei der BASF in den Ruhestand gegangen und damit aus dem Vorstand ausgeschieden war. Seinen Vorstandssitz hat Dr. Bernd Beßling (BASF) übernommen. Als weitere Veränderungen wurde angekündigt, dass auch Rainer Oehlert (Dow) zum Ende des Jahres in den Ruhestand gehen und zum 1. April 2020 ein Wechsel des Geschäftsführers stattfinden wird. Im Weiteren ging Felix Hanisch auf Entwicklungen und Erfolge im vergangenen Jahr ein, wie z.B. die 5G Frequenzen für lokale Campus-Netze, Kooperationsverträge mit dem American Chemistry Council und BioPhorum, die beiden Konferenzen der NAMUR in China und „NAMUR für Dummies“, ein Ansatz um auch nicht-Automatisierern Themen der NAMUR näher zu bringen. Am Ende wurden zwei NAMUR-Ehrennadeln vergeben: Erwin Kruschitz (anapur) und Dr. Wilfried Hartmann (BASF) freuten sich über die Anerkennung ihrer Verdienste für die NAMUR.

Als letzte offizielle Handlung für die NAMUR wurde der Sponsor Phoenix Contact, der erstmalig das Sponsoring übernommen hatte, von Matthias Fankhänel vorgestellt. Ein „Hidden Champion“ aus dem „Klemmenvalley“, der zukunftsorientierter ist, als man denkt. So wurde die Presse der Vergangenheit zitiert. Das 1923 gegründete Privatunternehmen, das weltweit agiert und eine erstaunliche Fertigungstiefe vorweisen kann, ist seit 20 Jahren aus eigener Kraft kontinuierlich gewachsen.

Im Vortrag des Sponsors gab CEO Frank Stührenberg (Phoenix Contact) zunächst einen Überblick über die Entwicklung des Unternehmens von der Gründung bis zur NAMUR-Hauptsitzung 2019 und der Gegenüberstellung, was aus den damals entwickelten Technologien (z.B. von der RWE Keramik-Klemme zum Clipline Complete System) heute geworden ist. „Konnektivität ist unsere DNA" konnte man in großen Buchstaben lesen und im Vortrag spüren.

CTO Roland Bent (Phoenix Contact) bildete mit seinen Ausführungen den Mittelteil des Vortrags und ging zu Beginn darauf ein, wo Phoenix Contact mit seiner Technologie heute im Automatisierungssystem verortet ist. Bent ludt die NAMUR-Teilnehmer dann ein, auch einen Blick auf andere Industriebereiche zu werfen: am Beispiel der Gebäudeautomatisierung wurde gezeigt, welche durchgehenden Lösungen heute schon möglich sind. Auf das Konzept der NAMUR Open Architecture NOA antwortete Phoenix Contact mit ihrem offenen Ansatz eines Enhanced Connectivity ECOSystems, das mit den Ebenen „Prozessschnittstellen“, „Normalisierung & Kontextualisierung“ und Informationsverarbeitung die Funktionen im NOA-Bereich neben der bisherigen Automatisierungspyramide ordnet.

Der Präsident der Business Area Industry Management and Automation, Ulrich Leidecker (Phoenix Contact), führte im letzten Teil aus, wie die technische Umsetzung des offenen Ansatzes über das PLCnext ECOSystem von Phoenix Contact erfolgt. Danach wurde mit realen Anwendungen der Technologie des Sponsors bei BASF, Bilfinger und Evonik gezeigt, wie Phoenix Contact sich erfolgreich mit heutigen Problemstellungen auseinandersetzt und auch bei zukünftigen Konzepten wie der Architektur des Open Process AutomationTM Forums OPAF ganz vorne mit dabei ist.

Im ersten Koreferat der NAMUR berichtete Ronny Becker (Bilfinger) von praktischen Erfahrungen mit Connectivity-Lösungen in der extra dafür erstellten Testanlage am Standort Hoechst. Am Ende braucht der Anwender einfache und nachhaltige Lösungen mit genügend Bandbreite der Datenverbindung, flexible Ansätze und die Verwendung von robusten, offenen und verlässlichen Connectivity-Standards. Wichtige Basis ist in diesem Zusammenhang das NOA Informationsmodell, die NE 107 und eine geeignete Kontextualisierung.

Ilona Sonnevend (Bayer) und Kai Dadhe (Evonik) betrachteten im zweiten Koreferat der NANUR das Thema der zunehmenden Konnektivität aus dem Blickwinkel der Produktion und des gesamten Unternehmens. Ihre Botschaft: Mensch und Ökonomie in den Vordergrund stellen und die Technik als Mittel zum Zweck einsetzen. Mit „Geld geht vor Hoffnung“ machte Ilona Sonnevend darauf aufmerksam, dass, so schön eine Lösung auch sein mag, immer ein Mehrwert identifizierbar und kommunizierbar sein muss. Aber Konnektivität ist auch über die Funktionsgrenzen hinaus zwischen den beteiligten Gruppen im Unternehmen notwendig. Im Datenverkehr der Systeme haben modellbasierte Plattformlösungen Vorteile gegenüber wartungsintensiver Punkt-zu-Punkt-Verbindungen einzelner EDV-Systeme. Erfolgreich werden leicht verständliche und kommunizierbare, wertschöpfende Konnektivitäts-Lösungen mit offenen nicht monolithischen Systemen und ganzheitlichem IIoT-Konzept sein.

Im letzten Vortrag im Plenum am ersten Tag ging Dr. Jan de Caigny (BASF) auf Aspekte der Cloud-Technology, heutige Cloud-Services und die Entwicklung des Einsatzes über die letzten Jahre ein. Am Bild von „Pizza as a Service“ wurde diese anschaulich illustriert. Dass Daten nach einigen Entwicklungsschritten in der IT letztlich auf einem externen Cloud-Server lagen, ohne dass es dem Daten-Owner bewusst war, wurde am Beispiel eines PIMS-Servers gezeigt. Auch wurde dargestellt, dass vermeintlich sichere Lösungen im eigenen Haus risikoreicher sein können als die Cloud eines externen Anbieters. Für Security und die richtige „as a Service“-Strategie braucht man Kompetenz und Vertrauen in den richtigen Partner. Cloud ist nicht gleich Cloud und auch nicht gleich Internet. Anhand dieser simplen Metapher machte de Caigny klar, dass IT und OT (Operational Technology) beim Design der richtigen Architektur und der Auswahl geeigneter Anbieter zusammenarbeiten müssen. Damit gab er schon mal einen Ausblick auf den Vortrag von Hanisch und Kroneis am Freitag, der das Thema IT/OT-Konvergenz aufgriff. Aus technologischer Sicht kann Cloud-Technologie am Ende auch für die OT geeignet sein.

Das breit gefächerte Workshop-Programm am Nachmittag des ersten Tags mit 31 Beiträgen spiegelte zum einen die Aktivitäten der NAMUR-Arbeitskreise wider und gab zum anderen die Möglichkeit, tiefer in die technischen Lösungen des Sponsors einzusteigen. Darüber hinaus stellten Vertreter von Kooperationspartnern Themen aus ihren Verbänden und aktuelle Entwicklungsstände vor. So wurden Themen wie zum Beispiel Module Type Package MTP, NAMUR Open Architecture NOA und deren Zusammenhang mit dem Ansatz von OPAF, 5G, M+O Sensorik, FDI, APL, Regelventile, Pumpen, Ex-Schutz, Security, Safety und Verwaltungsschale behandelt. Wer Interesse an den Produkten von Phoenix Contact hatte, konnte die Ausstellung des Sponsors erkunden oder sich bei einer der angebotenen Guides Tours anmelden, die auf großes Interesse stießen.

Der zweite Tag begann traditionell mit der Verleihung des NAMUR-Awards. Dr. Thorsten Dreier (Covestro) gratulierte den Gewinnern und übergab die Urkunden an Dr. Ing. Daniel Haßkerl, Dissertation „Economic Performance Optimization by Direct Optimizing Control Applied to Reactive Distillation Processes“ an der Technischen Universität Dortmund, Sophia Cordes, Masterarbeit “Analyse der Einsatzmöglichkeiten von Produktions-Modul-Beschreibungen für die produktionsnahe Logistik“ an der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg und Artan Markaj, Masterarbeit „Verfügbarkeitsanalyse verfahrenstechnischer Anlagen durch stochastische Zustandsmodellierung unterschiedlicher Instandhaltungsszenarien unter Verwendung von Risiko‐ und Fehlerauswirkungsanalysen“ ebenfalls an der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg.

In seinem anschließenden Vortrag stellte Dirk Hablawetz (BASF) Erfahrungen mit PLT-Sicherheitseinrichtungen vor und gab erste Auswerteergebnisse der NAMUR.smart-Datenbank bekannt, in der Fehler von rund 85.000 PLT-Einrichtungen mit Sicherheitsfunktion mit ca. 300.000 Feldgeräten erfasst werden. Abgerundet wurde der Vortrag mit dem Blick in die Zukunft und der sich hier abzeichnenden neuen Herausforderungen.

Jens Kroneis (BASF) und Dr. Felix Hanisch (Bayer) gingen in ihrem Vortrag auf die Entwicklung der Konvergenz von OT und IT im Rahmen der Digitalisierung ein. Beide zeigten durchaus verschiedene Ansätze von organisatorischen Veränderungen in ihren Unternehmen auf. Ihr Appel war, alte Grabenkämpfe zu überwinden und Digitalisierung der Produktion und Lieferkette in der Prozessindustrie als gemeinsame Aufgabe zu sehen. Dementsprechend müssen auch produktionsnahe IT-Funktionen für die NAMUR gewonnen und zur Mitarbeit angeregt werden. Eine weitere Bearbeitung des Themas soll generell in der NAMUR und auch in einem noch zu gründenden Arbeitskreis erfolgen, der sich dann um IT Infrastruktur & Plattformen für OT Anwendungen kümmert.

Der Vortrag von Dr. Felix Hanisch (Bayer) zur Zukunft der NAMUR begann zunächst mit einem Ständchen der 650 Konferenzteilnehmer für das Geburtstagskind. Die NAMUR ist nun 70 Jahre alt und hat es verstanden, sich ständig weiter zu entwickeln und ist somit auch heute ein akzeptierter Player in der Prozessindustrie. Die Ergebnisse der Mitgliederbefragung bestätigen viele Punkte, zeigen aber auch Handlungsfelder auf, an denen man arbeiten sollte. So sind u.a. die Kommunikation der Strategie, die Altersstruktur und das Thema Nachwuchs zu nennen. Ebenfalls soll die Darstellung der Erfolge in einfacher Art und Weise weiter angegangen werden. Damit die Erstellung und Pflege von NAMUR-Empfehlungen schneller erfolgen kann, wird die NAMUR zentral ein begrenztes Budget für redaktionelle Unterstützung und Übersetzung zur Verfügung stellen.

Im Überleitungsvortrag zur nächsten NAMUR-Hauptsitzung von Dr. Andreas Schüller (Yncoris) ging es um Digitalisierung und den notwendigen Datentransfer über die Grenzen der eingesetzten Tools im Lebenszyklus einer Anlage hinaus. Wie kann das gemeinsame Interesse an der Digitalisierung bei den aktuellen organisatorischen Strukturen der Akteure für CAPEX und OPEX-Maßnahmen gefördert werden? Ist ein übergreifendes Informationsmodell ein entscheidender Baustein auf dem Weg zum Erfolg? Fragen an den Sponsor 2020.

Zum Abschluss fasste Dr. Felix Hanisch (Bayer) die sehr erfolgreiche NAMUR-Hauptsitzung noch einmal zusammen, bedankte sich beim hervorragenden Sponsor Phoenix Contact und allen engagierten Beteiligten und gab Ausblick auf kommende Veranstaltungen und Ziele für 2020.

Bei der NAMUR-Hauptsitzung 2020 können wir uns auf den Sponsor Schneider Electric freuen, der das Motto „Boosting your Asset Lifecycle for Power and Process“ aufgreifen wird. Das immer gut besuchte Treffen der Community der Automatisierungstechnik in der Prozessindustrie wird am 5. und 6. November 2020 wieder in Bad Neuenahr stattfinden.

Bilder:
Bild 1+2: NAMUR
Bild 3: publicdomainvectors.org

Für nähere Informationen:

NAMUR e.V.
c/o Bayer AG
NAMUR-Geschäftsstelle
Gebäude K 9
D-51368 Leverkusen
Deutschland
Telefon: +49 - 214 - 30 - 71034
Telefax: +49 - 214 - 30 - 9671034
Internet: www.namur.net
E-Mail: office@namur.de


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