Google+XINGLinkedIn

NAMUR – Hauptsitzung 2018
Field instruments supporting digital transformation

vom 2018-11-27

Bei der diesjährigen NAMUR-Hauptsitzung am 08. und 09. November stand das Thema Feldgeräte im Vordergrund der von 650 Teilnehmern besuchten Veranstaltung in Bad Neuenahr. „Field instruments supporting digital transformation“ lautete das Motto, das Anwender von Automatisierungstechnik in der Prozessindustrie, eingeladene Experten und Manager von Herstellern und Verbänden ausgiebig diskutierten.

Als Sponsor engagierte sich Endress+Hauser (E+H), das bekannte Schweizer Unternehmen mit einem breiten Portfolio im Bereich der Messtechnik der Prozessautomation.

Zu Beginn der Veranstaltung gab es zunächst Neuigkeiten aus der NAMUR, die letztmalig von Dr. Wilhelm Otten (Evonik) vorgestellt wurden. Auf der Mitgliederversammlung am Vortag war der NAMUR Vorstand neu gewählt worden, und er hatte den Staffelstab an Dr. Felix Hanisch (Bayer) abgegeben, der für die nächsten vier Jahre den Vorsitz des Verbands übernahm. Zunächst gab Dr. Otten in seiner Rede einen Rückblick auf das zurückliegende Jahr und die Erfolge bei strategischen Aktivitäten wie z.B. die Internationalisierung aber auch Änderungen in der internen Organisation sowie die Vertretung der Interessen bei der Vergabe von 5G-Frequenzen. Die frisch ernannten Ehrenmitglieder der NAMUR, Dr. Thomas Tauchnitz (ehemals Sanofi) und Dr. Herbert Maier (Clariant), wurden nochmals auf die Bühne gebeten, bevor Dr. Otten dann auf die zahlreichen Highlights in seiner Amtszeit als Vorsitzender zurückblickte. Am Ende überreichte er die goldenen Ehrennadeln, die 2018 an Thomas Scherwietes (Evonik) und Prof. Dr. Alexander Fay (HSU Hamburg) für ihr langjähriges Engagement für den Verband gingen.

Die Vorstellung des Sponsors erfolgte danach durch Dr. Felix Hanisch (Bayer), der auch die Vorbereitung der Hauptsitzungsbeiträge mit dem Sponsor begleitet hatte. Das letzte Sponsoring von E+H war 2007, so dass im Vortrag die heutige Situation der vor 11 Jahren gegenüber gestellt wurde. Fast doppelt so viel Umsatz, lebende Patente und Mitarbeiter belegen die positive Entwicklung des Unternehmens.

Im dreiteiligen Sponsorvortrag gaben Matthias Altendorf (CEO), Nikolaus Krüger (Vorstand Vertrieb) und Dr. Andreas Mayr (Vorstand Marketing/Technologie) Hintergründe zu Kundenorientierung, digitaler Ausrichtung und leistungsstärkeren Feldgeräten mit verbesserter Konnektivität. Die Orientierung des Familienunternehmens am Kunden zeigte sich neben dem Bekenntnis im Vortrag z.B. schon daran, dass bei einzelnen Themen immer wieder Bezug auf die vorhandenen NAMUR-Empfehlungen und Arbeitsblätter genommen wurde. 90% der Feldgräte sind bereits digital, alle geräterelevanten Daten kann E+H aktuell und zeitnah zur Verfügung stellen, damit sie im digitalen Lebenszyklus von der Planung bis zum Asset Management bei Verwendung der Werkzeuge und Cloud-Lösungen dem Kunden helfen können, seine Prozesse zu verbessern. Intelligente Feldgeräte und das breite Angebot in der Prozessanalysentechnik waren weitere Punkte im Vortrag. Einfache Sensorik für Überwachungs- und Optimierungsaufgaben braucht am Ende eine geeignete Anbindung an eine Welt, die es erlaubt, Daten sicher und bedarfsorientiert abgreifen zu können. Ein Datenspeicher ist die E+H-Cloud. Für den Weg der Daten in die Cloud ist der Ansatz der NAMUR Open Architecture und die Entwicklung der APL-Zweidrahttechnik ein wichtiger Schritt.

Anforderungen an den Wandel der Prozessanalysentechnik von heute und in Zukunft wurden von Frank Grümbel (Lanxess) und Dr. Ulrich Schünemann (BASF) dargestellt. Auch mit den derzeitigen betreuungsintensiven PAT-Installationen lassen sich durch Digitalisierung Informationen da bereitstellen, wo sie gebraucht werden. Und der Spezialist muss nicht unbedingt vor Ort sein. Um zukünftig mehr Digitalisierung erfolgreich einzuführen zu können, ist die Komplexität zu kapseln, damit der Anwender den Nutzen leicht und unmittelbar spüren kann. Um sicherzustellen, dass auch die Prozessanalysentechnik vom Nutzen der NAMUR Open Architecture profitieren kann, gilt es, den „Use Case PAT“ in die NOA-Initiative einzubringen.

Wie weit die Gestaltung der NAMUR Open Architecture fortgeschritten ist, wurde von Jan de Caigny (BASF) erläutert. In den zusammen mit dem ZVEI gebildeten Arbeitskreisen gilt es, bis 2019 einen NOA Security Ansatz zu entwickeln und die NOA-Implementierung in OPC-UA und die Verifizierung einer Anfrage an die zentrale Steuerungseinheit zu definieren. Basierend auf Use Cases sind Anforderungen an Informationsmodell, NOA Diode und Security sowie die Quellen für die Messdaten zu erarbeiten.

Im letzten Vortrag am Donnertagvormittag ging Dr. Michael Maiwald (BAM) auf smarte Sensoren in cyberphysischen Produktionen und die Forderung nach Interaktionsfähigkeit, Konnektivität und Kommunikationsfähigkeit, virtueller Beschreibung, Rückverfolgbarkeit und Compliance sowie Instandhaltungs- und Wartungsfunktionen ein. Im Feld bedarf es zukünftig mehr Security, mehr Intelligenz und dadurch mehr Rechenleistung. Am Ende prognostizierte er einen Technologiewechsel zu verteilten Netzwerken mit intelligenten Sensoren und Aktoren.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Beim Programm am Nachmittag mit 28 interessanten Workshops war es sicherlich schwierig, sich zu entscheiden. NOA mit Live-Schaltung in das Testlabor der IGR, MTP mit Demonstratoren, Open Process Automation, PAT World Café, 5G, mobile Geräte im Ex-Bereich, FDI, Betriebseinrichtungen mit Sicherheitsfunktion, NA 35, die Workshops des Sponsors und, und, und. Ein Besuch der Ausstellung des Sponsors durfte auch nicht fehlen.

Die Verleihung des NAMUR-Awards am Freitagmorgen wurde von Rainer Oehlert (Dow) durchgeführt. Die Preise für hervorragende Diplom/Masterarbeiten und Dissertationen gingen dieses Mal an Dr. Maik Riedel (Ein Beitrag zur wissensbasierten Unterstützung bei der Auswahl technischer Ressourcen) und Dr. Markus Vogelbacher (Eine neue Methode zur kamerabasierten Analyse von Mehrstoffbrennern in industriellen Verbrennungsprozessen).

Heute schon existierende Beispiele der digitalen Industrie 4.0-Technologie in den Unternehmen der Prozessindustrie wurden von Dr. Alba Mena (BASF) und Dr. Thorsten Pötter (Bayer) in ihrem Tandemvortrag vorgestellt. Als Vertreter der fiktiven Unternehmen STAGNATE und iNNOVATE wurden die Fälle Inspektion, Anlagenstillstand und Anlagenänderung diskutiert. Am Ende wurde gezeigt, wo heute z.B. mobile Endgeräte, Auto-Identifikation, Drohnen, Big Data Analytics, Virtual Reality und Photogrammetrie eingesetzt werden. Wichtig für die flächendeckende Einführung solcher Technologie ist die konsequente Betrachtung der Total Cost of Ownership.

Dr. Frank Stenger (ProcessNet), Axel Haller (ZVEI) und Dr. Ulrich Christmann (NAMUR) berichteten in Ihrem gemeinsamen Vortrag über den Stand zu Plug&Produce bei der Modularen Produktion und sagten nach dynamischer Konzept- und Entwicklungsphase erste Produkte in 2019 voraus. Die Zahl der beteiligten Unternehmen macht deutlich, wie wichtig das Thema für die Zukunft der Branche ist.

Dass strukturierte Daten notwendig für das Engineering sind, belegten Dr. Wilhelm Otten (Evonik) und Michael Wiedau (Evonik) in ihrem anschließenden Beitrag. Mit dem auf DEXPI und vorhandenen Standards basierenden ALC-Datenmodell lassen sich über den Lebenszyklus hinweg notwendige Daten zukünftig einfach zwischen den Systemen für Planung/Errichtung und Instandhaltung/Optimierung austauschen. Das ALC-Datenmodell bildet den Kern eines digitalen Zwillings einer Produktionsanlage.

Im Übergangsvortrag zur NAMUR-Hauptsitzung 2019 zum Thema Konnektivität wurde es noch einmal besonders spannend, als Martin Schwibach (BASF) den Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm (BSI), und den neuen Vorsitzenden der NAMUR, Dr. Felix Hanisch (Bayer), auf die Bühne holte. BSI wurde zum neuen NAMUR-Mitglied, und die NAMUR wurde Multiplikator für die Allianz für Cyber-Sicherheit. In den folgenden Vortragsteilen wurde auf die Bedeutung der Cyber-Sicherheit bei den Technologien der Digitalisierung eingegangen und das Thema Konnektivität beleuchtet. Die Komplexität der Konnektivität sicher zu beherrschen ist das Ziel. Wenn Daten das Erdöl des 21. Jahrhunderts sind, dann ist die Konnektivität die Tankstelle.

In seinen Abschlussworten fasste Dr. Felix Hanisch (Bayer) als Vorsitzender die Veranstaltung noch einmal kurz zusammen und postulierte die NAMUR als Gestalter der digitalen Transformation. Dank ging auch an den Sponsor Endress+Hauser für sein hervorragendes Engagement bei dieser Veranstaltung.

Wir alle können uns schon auf die nächste interessante NAMUR-Hauptsitzung mit dem Motto „Enhanced connectivity for smart production“ freuen. Vom 07. bis 08. November 2019 trifft sich die Community der Automatisierungstechnik in der Prozessindustrie bei dem von PhoenixContact gesponserten Event wieder in Bad Neuenahr.

Für nähere Informationen:

NAMUR e.V.
c/o Bayer AG
NAMUR-Geschäftsstelle
Gebäude K 9
D-51368 Leverkusen
Deutschland
Telefon: +49 - 214 - 30 - 71034
Telefax: +49 - 214 - 30 - 9671034
Internet: www.namur.net
E-Mail: office[at]namur.de


« zurück
loading...