Asset & Instrumentation Management System (AIMS)
Grundlage für digitale und autonome Prozessanlagen
Die fortschreitende Digitalisierung der Prozessindustrie sowie der zunehmende Grad an Autonomie von Anlagen stellen neue und deutlich höhere Anforderungen an das Management von Assets über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Ein ganzheitliches Asset & Instrumentation Management System (AIMS) bildet hierfür ein unerlässliches Werkzeug und stellt eine zentrale Grundlage für den sicheren, effizienten und zukunftsfähigen Betrieb von Prozessanlagen dar.
Ein Asset Management Framework muss in der Lage sein, Assets im Functional-Safety-Umfeld ebenso wie Assets außerhalb sicherheitsgerichteter Anwendungen konsistent zu erfassen, zu verwalten und zu überwachen. Dabei reicht der Betrachtungsumfang von klassischen Feldgeräten über Automatisierungskomponenten bis hin zu IT/OT Assets und deren Konfigurationen. Gerade im Kontext von sicherheitsgerichteten Systemen sind hierbei höchste Anforderungen an Verfügbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Integrität der Daten zu erfüllen.
Mit der zunehmenden Vernetzung von Anlagenkomponenten steigen zudem die Anforderungen an die OT-Security und Software-Security signifikant. Ein Asset Management Framework muss daher Security-by-Design-Prinzipien berücksichtigen und sowohl regulatorische als auch normative Vorgaben erfüllen. Neben dem Schutz vor unbefugtem Zugriff spielen auch Themen wie Patch-Management, Versionskontrolle, Rollen- und Rechtemanagement sowie die sichere Kommunikation zwischen den beteiligten Systemen eine entscheidende Rolle.
Darüber hinaus ist ein modernes Asset Management Framework nicht als Insel zu verstehen, sondern muss sich nahtlos in bestehende und zukünftige Architekturen integrieren lassen. Schnittstellen zu weiteren Konzepten und Initiativen, wie beispielsweise NAMUR Open Architecture (NOA) oder der Asset Administration Shell (AAS), sind zwingend erforderlich, um eine durchgängige Informationsverfügbarkeit über alle Ebenen der Automatisierungspyramide hinweg zu ermöglichen. Nur so können Mehrwerte wie zustandsorientierte Instandhaltung, prädiktive Wartung oder automatisierte Entscheidungsprozesse realisiert werden.
Vor diesem Hintergrund wurde die NAMUR Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Anforderungen an ein Asset & Instrument Management System“ ins Leben gerufen. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, die vielfältigen Anforderungen aus Sicht der Endanwender strukturiert zu erfassen und zu konsolidieren. Die Arbeitsgruppe setzt sich bewusst aus Mitgliedern unterschiedlicher NAMUR-Arbeitsfelder zusammen, um eine ganzheitliche Betrachtung sicherzustellen und sowohl technische als auch organisatorische Aspekte angemessen zu berücksichtigen.
Im Fokus der Arbeiten stehen unter anderem folgende Themenbereiche:
- Definition des Umfangs und der Abgrenzung eines Asset Management Frameworks
- Konzepte zur Geräte- und Assetverwaltung über den gesamten Lebenszyklus
- Anforderungen an Kommunikationsschnittstellen und Datenmodelle
- Layer-übergreifende Kommunikation innerhalb der Anlagenarchitektur
- OT-Security-Anforderungen und Schutzkonzepte
- Software-Security und Update-Strategien
- Berücksichtigung von Safety-Aspekten und regulatorischen Vorgaben
Ziel der Arbeitsgruppe ist die Erstellung eines Positionspapiers, das eine herstellerunabhängige Beschreibung der Anforderungen an ein Asset Management Framework aus Sicht der Endanwender liefert. Dieses Positionspapier soll als Orientierung für Betreiber, Hersteller und Systemintegratoren dienen und einen gemeinsamen Verständnishorizont schaffen. Damit leistet die NAMUR einen wichtigen Beitrag zur Standardisierung, zur Interoperabilität und zur nachhaltigen Digitalisierung der Prozessindustrie.
Ansprechpartner
Florian Hout
Evonik Operations GmbH
Tel. +49 173 6346574
florian.hout[at]evonik.com